Der Erzähler, François, ist der Sohn des Lehrerehepaars an einem kleinen französischen Landinternat. Wohlbehütet, ist er mit seinen 15 Jahren noch ein rechtes Kind.
In die idyllische Welt des Dorfes platzt nun an einem dunklen Novemberabend irgendwann um 1890 der 17jährige Augustin Meaulnes, Sohn einer wohlhabenden Witwe. Mit seinem Selbstvertrauen und seiner Unternehmungslust wirkt er äußerst befreiend auf das ereignislose Einerlei des Schulalltags.
Vor den Weihnachtstagen werden die Großeltern von François zu Besuch erwartet, und Meaulnes besorgt sich Pferd und Wagen, um die beiden vom 10 km entfernten Bahnhof abzuholen. Doch während der Kutschfahrt schläft er ein, verirrt sich, verliert Pferd und Wagen und kommt am nächsten Nachmittag zu Fuß und orientierungslos zu einem Schlösschen, wo die Verlobung von Frantz de Galais, dem Sohn des Besitzers, mit der Tochter eines Webers gefeiert werden soll. Die Gäste sind überwiegend Kinder und junge Leute in Meaulnes Alter, die in phantastischer Kostümierung bei Tanz, Musik und allerlei Lustbarkeiten feiern. Hier begegnet Meaulnes der Schwester des Bräutigams, Yvonne de Galais, und beide verlieben sich schicksalhaft. Doch das Fest endet tragisch und im allgemeinen Durcheinder des Aufbruchs werden die beiden getrennt und Meaulnes wird schließlich von anderen Gästen im Wagen mitgenommen. Wieder schläft er ein und weiß so weder, wie er zu Yvonne gelangt ist, noch hat er sich den Rückweg einprägen können.
Was folgt, ist natürlich die lange vergebliche Suche nach der Geliebten, verbunden mit manchem Abenteuer, das es zu bestehen gilt.
1913 erschien dieser Roman, in dem Traum und Wirklichkeit, Realität und Fantasie untrennbar miteinander verwoben sind. Die kunstvolle Einfachheit der Sprache wird bisweilen als Beschwörung einer heilen Kinderwelt oder als Geschichte einer unglücklichen Jugendliebe verstanden.
Doch hinter der Geschichte einer Jugendliebe steht immer auch die allgemeine Dialektik von Freiheit und Verantwortung und somit das allgemein Menschliche, weit von aller Kinder- und Jugendromantik entfernt, das dem Roman seine zeitlose Bedeutung sichert und jedem Leser unmittelbar zu Herzen geht. Freiheit und Freiheit der Wahl haben für alle Hauptfiguren existenzielle Bedeutung. Kaum jemals ist die Vertreibung aus dem Paradies der kindlichen Erlebniskraft schonungsloser dargestellt worden.
„Der große Meaulnes“ ist letzten Endes eine zauberhafte Parabel auf das Leben - mit seinen alltäglichen Abenteuern. So endet denn auch die französische Ausgabe mit den Worten „... et partant ... pour de nouvelles aventures.“„...und ... auf zu neuen Abenteuern.“
Der Verfasser, Alain Fournier, eigentlich Henri Alban Fournier, am 3.10.1886 in La Chapelle-d‘Angillon bei Bourges geboren, fiel im Ersten Weltkrieg am 22. September 1914mit noch nicht 28 Jahren. Er wurde berühmt durch seinen einzigen vollendeten Roman,der für die Entwicklung der modernen Erzählliteratur von kaum zu überschätzender Bedeutung ist.